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KI & Digitalisierung

Arbeitszeugnisse mit KI erstellen – effizient, individuell und rechtssicher

Von Mag. Volker Schattel · Veröffentlicht am 25.07.2025 · Stand der Rechtslage: Juli 2025

Die Erstellung von Arbeitszeugnissen gehört zu den klassischen HR-Aufgaben – wiederkehrend, zeitaufwendig und zugleich rechtlich heikel. Genau hier setzt Künstliche Intelligenz an: Sie automatisiert den Erstellungsprozess, ohne auf Individualität und Qualität zu verzichten.

Warum KI bei Zeugnissen Sinn ergibt

Kürzere Bearbeitungszeit: Zeugnisse, die früher über Tage entstanden, sind mit KI oft in Minuten fertig – ohne Qualitätsverlust. Weniger Fehler, mehr Konsistenz: Formulierungen sind rechtlich abgesichert, stilistisch einheitlich und frei von missverständlichen „Zeugniscodes”. Entlastung für HR: Das Team konzentriert sich auf strategische Aufgaben statt auf Zeugnissätze.

Welcher Input ist notwendig?

Die KI arbeitet nur so gut, wie sie gefüttert wird. Für ein professionelles Zeugnis braucht es: Personendaten (Name, Geburtsdatum, Beschäftigungszeitraum), Tätigkeitsbereich und Position, eine Tätigkeitsbeschreibung in Stichworten, die Verantwortungsebene (z. B. „fachlich verantwortlich für zwei Mitarbeitende”), eine Leistungsbewertung (praktisch: als Schulnote), das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kunden, den Austrittsgrund sowie sonstige Angaben (Teilzeit, besondere Projekte). Optional: ein Zwischenzeugnis zur Orientierung und der gewünschte Stil.

Beispiel-Prompt aus der Praxis

„Erstelle ein qualifiziertes Arbeitszeugnis für Frau Erika Mustermann, geboren am 01.01.1988. Beschäftigt vom 01.03.2019 bis 30.06.2025 als Teamleiterin Buchhaltung. Sie führte zwei Mitarbeitende fachlich an. Aufgaben: Erstellung der Monats- und Jahresabschlüsse, Betreuung der Buchhaltung, Kommunikation mit der Steuerberatung, Einführung digitaler Prozesse, Schulung neuer Kolleg:innen. Das Zeugnis soll der Schulnote 1 entsprechen. Das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleg:innen und externen Partnern war jederzeit vorbildlich. Der Austritt erfolgte auf eigenen Wunsch. Professionelle Sprache, klassische Gliederung (Einleitung, Tätigkeiten, Bewertung, Verhalten, Schlussformel).”

Als Anlagen helfen Stellenbeschreibung und die damalige Ausschreibung.

Vorteile für HR-Teams und Mitarbeitende

Für HR: Zeugnisse in Minuten statt Stunden, weniger Rückfragen durch standardisierte Abläufe, einheitlicher Sprachstil über Standorte hinweg, aktuelle Formulierungsstandards. Für Mitarbeitende: schnelle Ausstellung (wichtig bei Bewerbungen), Transparenz über Note und Inhalte, keine „versteckten Botschaften” durch veraltete Codierungen.

Datenschutz und DSGVO

KI braucht klare Grenzen beim Datenschutz: Keine personenbezogenen Daten auf offene KI-Plattformen hochladen. Stattdessen DSGVO-konforme Lösungen mit EU-Hosting oder On-Premise nutzen, einen Auftragsverarbeitungsvertrag abschließen, Zugriffsrechte und Rollen im Zeugnisprozess definieren und Änderungen nachvollziehbar dokumentieren – besonders bei Notenanpassungen und juristisch sensiblen Formulierungen.

Alternativen und Ergänzungen

Viele HR-Systeme bieten modulare Zeugnisgeneratoren, bei denen sich Tätigkeiten und Bewertungen per Klick auswählen lassen. In Kombination mit KI entsteht ein starkes Werkzeug: Textbausteinverwaltung mit KI-Formulierungsoptimierung, integrierte Freigabe-Workflows, rechtskonforme Archivierung, Integration in die digitale Personalakte.

Fazit

Die Zeugniserstellung mit KI spart Zeit und liefert gleichbleibend hohe Qualität – sofern Input und Prozess stimmen. KI ersetzt aber nicht das menschliche Urteilsvermögen: Bei komplexen Fällen, juristisch heiklen Themen oder emotional geprägten Trennungen bleibt die HR-Fachkraft unverzichtbar. KI hilft ihr, deutlich effizienter zu arbeiten.

Mag. Volker Schattel

Über den Autor

Mag. Volker Schattel ist öffentlich bestellter Personalverrechner (Bilanzbuchhaltungsbehörde, 2024) mit über 20 Jahren Praxis in HR, Controlling und Payroll. Mit LohnLotsen betreut er österreichische Unternehmen vom ersten Mitarbeiter bis 100 – digital und persönlich.

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